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Origin Bearbeiten

Eigentlich war Onkel Milveis Plückebaum ein berühmter Gaukler. Zumindest tat er stets so als ob und rühmte sich und seine damalige Gruppe "Die Baumbezwinger" immer äußert wortreich, stets begleitet von seiner Laute, die er laut eigener Erzählung einem kratzbürstigen Kobold namens Prunhilde Papperstrums aus den Rippen geleiert hat. Wie er dies veranstaltete? Prunhilde - er war sich nicht sicher, ob das Geschöpf nun ein Männlein oder Weiblein darstellte - war von einfachen Gemüt und ließ sich einen Tag und eine Nacht so über die Bösartigkeit dieses Instrumentes beschwatzen, sodass Onkel Milveis gezwungen war, das holde Prunhilde von dieser Laute zu befreien. Ob man dieser Erzählung glauben schenken mag? Oder den anderen Erzählungen, wie er und zwei andere Mitstreiter gegen einen Baum kämpfen mussten, nur um das Geheimnis seiner Astgrube zu lösen und dabei klagvoll scheiterten... Dass sie alle wohl nicht leichtfüßig genug waren, um einen solchen Baum zu erklimmen, ja dies glaubte Maggy ihrem Onkel wohl.   Doch so erheiternd, erstunken und erlogen Onkel Milveis Geschichten waren, so lustig waren doch immer die Reisen, die Maggy mit ihm unternahm.

Wer hätte es da nur gedacht, dass Onkel Milveis tatsächlich über seine leichten Füße stolpern würde, nur um sich auf unmöglich Art und Weise das Bein zu brechen, nur um dann in der Ortschaft Kassen zu landen? Er fühlte sich nicht sonderlich wohl, auch wenn er für sich und seine Nichte Maggy neben der Gaststätte sich ein kleines Zimmerchen in einem Dachboden mieten konnte, dennoch fehlte ihm das Reisen sehr und die Abenteuerlust nagte an ihm. Dennoch schien es dem alten Halbling, dass es mitunter Zeit war, sich zur Ruhe zu setzen.

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Da Maggy ihren Onkel nicht alleine lassen wollte, blieb sie mit ihm vor Ort, unterhielt die Gäste mit allerhand Witz und Lautenmusik, und Onkel Milveis gab seine tollkühnsten Geschichten und Lieder über die heldenhaften Baumbezwinger zum Besten, nur um Humpeln auf zwei klumpigen Stöcken sich dann wieder die Stiege hoch in das doch recht wohnlich gemütliche kleine Räumchen zu quälen.

Die kleine Halblingsdame Maggy behielt für sich stets eine fröhliche und hilfsbereite Natur, so half sie hier und da im Ort Kassen aus, um sich und ihren Onkel zumindest einen Lebensunterhalt zu bestreiten, während sie sich abends in das Gasthaus aufmachten, um dort die Gäste mit Lautenspiel und Gesang zu ermuntern. So lernte sie das ein oder andere fröhliche Liedchen zum Abendausklang und es schien ein immer lustiger Abend zu werden, wenn sie sich mit ihrem Onkel im Erzählen von Unfug und Lügengeschichten maß. Nur zeigte der alte Milveis, dessen braunes lockiges Haar mit der Zeit eine gräuliche Farbe annahm, doch mehr an Erfahrung, sodass seine Geschichten im direkten Wettstreit doch stets gewannen. Es schien, als hatte Milveis jedwege Mimik und Sprachlaute im Griff, während er Maggy lehrte, die wilden, wandernden Bäume aus dem schrecklichen Ettingswalden mit ihren langen Beinen und dem gemächlichen Gang zu imitieren, was bei ihrer Körpergröße doch wahrlich lustig aussah.

Eines Abends im Herbst, als Maggy und Milveis wieder einmal sich im Gasthaus in ihren Lügengeschichten duellieren wollten, stellte Milveis, wohl wissend, dass er so oder so gewinnen würde, eine Wette auf:
"Maggy, Maggy, ich wette mit dir!", tönte seine kräftige Stimme, so wie jedes Mal, wenn er mit seiner Nichte eine Wette abschloss.
"Ich wette mit dir, dass meine nächste Geschichte dich erst so kräftig zum Lachen bringen wird, dass du Purzelbäume vor Lachen schlägst! Ich wette mit dir, dass meine nächste Geschichte große kullernde Tränen aus deinen Augen fallen werden, dass dein Schluchzen den ganzen Gastraum erfüllt! Dann erzählst du deine Geschichte, die mir ebensolche Gefühle hervorlocken sollen!", tönte er und lachte herzlich, während seine Augen vor Schalk, aber auch vor Vorfreude glühten.

Maggy baute sich, so gut es mit ihrer Körpergröße ging, vor Onkel Milveis auf und verschränkte die Arme. "Ach ja?", antwortete sie, so wie sie es immer pflegte. "Und um was wetten wir?"

"Wenn du gewinnst, schenke ich dir meine Laute! Wenn du verlierst, musst du die Feuerprüfung absolvieren, um mir zumindest eine Geschichte erzählen zu können, die es verdient, erzählt zu werden."

Ein solcher Wetteinsatz ließ Maggy stutzen, sonst wetteten sie nur um das nächste Bier oder den nächsten Schinken, den sie sich würden leisten können, und ihre grauen Augen wurden groß.
"Oh.", antwortete sie überrascht. "Nun denn, Eingeschlagen, die Wette gilt!"

Onkel Milveis nickte bedächtig und zufrieden. Natürlich wurde es Zeit für Maggy, ihres Weges zu gehen und ihre eigenen Geschichten zu schreiben, dies war ihm Gewahr. Doch nun galt es die Wette zu gewinnen, denn sonst würde Maggy ihren Onkel nicht zu diesem Zeitpunkt verlassen.

Und so erzählte Maggy ihre Geschichte, von Flunkerwurz und Hinkewitz, zwei tollkühnen Halb-Orks, welche sie auf einer ihrer Reisen traf. Beide hatten sich in mehreren Fuß hohen Dornenbüschen verhangen und jammerten und krakelten um der vielen Dornen in ihren Gliedmaßen, sodass Maggy ihnen, so lieb wie sie wahr, tatsächlich helfen musste.
Nun Milveis wusste, dass die Geschichte erstunken und erlogen war, nicht nur, weil sie noch nicht so gut lügen konnte, sondern weil Maggy ihn seit ihrem vierten Lebensjahr begleitete und ein solches Abenteuer ihnen beiden nie geschehen war.

Er schmunzelte und grunzte, schlussendlich nickte er und hob den Finger. "Oh Maggy-Klein, ich weiß wohl, gelogen hast du, oh nein!", reimte er, so wie sie es immer in einem  Lügenwettstreit taten und dann begann er mit seiner Geschichte.
Auch wenn Maggy glaubte, alle Erzählungen von Onkel Milveis schon zu kennen, so erzählte er nun eine gänzlich neue, sodass sie vor Lachen Purzelbäume schlugen musste und ihre Schluchzen durch das ganze Gasthaus hallte.

Mit ihrem Handrücken wischte sie die letzte Träne weg, als Milveis zum Ende kam.

"Ich weiß es nicht.", gab sie zu und lachte nervös. "Ich denke, dass du gewonnen hast, Onkel."

Ihr Onkel nickte. "Achja?" Fröhlich lachte er und stützte sich auf seinen Stab. "Dann wirst du wohl die Feuertaufe bestehen müssen, um mir eine gute Geschichte erzählen zu können.", aber dann nahm er seine Laute vom Tisch und klopfte auf das Instrument. "Auch wenn du die Wette verloren hast, will ich dir meine Laute geben, auf dass du dich auf deiner Quest an mich erinnerst." So reichte er ihr das Instrument aus dunklem, glänzenden Holz. Eine einfache Laute, hier und da mit Schnitzereien verziert, aber handlich auf Halblingsgröße zugeschnitzt. "Ach!", strahlte Maggy überrascht. "Vielen Dank, Onkel!" Doch so sehr sie sich freute, so trübselig schaute sie hinterher drein. "Aber Onkel, ohne dich ist das Reisen doch nichts...", entging es ihr und sie hob ihre Schultern schniefend.

"Aber, Aber, Maggy-Klein, wer will denn da ein Feigling sein?", reimte er gutmütig und tätschelte ihr den lockigen, braunen Haarschopf. "Es wird dir gut ergehen und ich werde immer an dich denken. Doch ist es nun wirklich Zeit, dass du deine eigenen Erfahrungen machst, denn wie willst du sonst eine gute Bardin werden?", entging er.

Und so kam es, dass sich Maggy zur diesjährigen Feuertaufe in Kassen meldete.

Verbleib Bearbeiten

Nachdem gegen einige Goblins nur knapp mit dem Leben davon gekommen ist, entschied sie sich das Abenteuererleben aufzugeben und einen Frischkäse-Muffin Laden in Sandpoint zu eröffnen. Mit mäßigem Erfolg.